Gutschein bestellen
Newsletter
memorissima
Header 1 Header 2

Welzheimer Zeitung - Samstag, 21. September 2010

Eintauchen in die Stimmung jener Zeit
Sommertour unserer Zeitung „Mit Justinus Kerner durch die Stadt“ ausgebucht

„Vielen Dank für die Veranstaltung, das war sehr interessant.“ Clemens Kuhn äußerte sich am Ende der StadtVerführung mit Justinus Kerner hocherfreut. Rund 30 Teilnehmer ließen sich bei der Sommertour-Veranstaltung unserer Zeitung ein Stück mitnehmen in die Champagnerluft und Sommerfrische mit Justinus Kerner.

Von Rainer Stütz.
Welzheim. Bereits bei der Anmeldung war das übergroße Interesse unserer Leserinnen und Leser an diesem Angebot abzulesen. Denn bereits nach zwei Stunden waren alle Plätze ausgebucht. Bei der Schauspielführung in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Kultissima aus Weinstadt erzählt der Stuttgarter Schauspieler Markus Klemenz bei einem Stadtrundgang Geschichten und Anekdoten rund um den Arzt und Dichter Justinus Kerner, der von 1812 bis 1815 in Welzheim seine Spuren hinterließ.
Seinerzeit hielt noch die Postkutsche in Welzheim, man hatte also noch mehr Zeit und musste sie auch haben. Das Schnaufen der Dampflok war noch nicht zu hören. Erst 1911 wurde das Oberamt an die Bahn angeschlossen. Dann konnten die Besucher aus dem Tal vergleichsweise bequem zur Erfrischung in dem Luftkurort anreisen. Von den Einheimischen wurden die Besucher etwas abwertend „Luftschnapper“ genannt. Die Luft und die Gesundheit gehören eng zusammen und für Justinus Kerner war auch die Heilkraft der Dichtung wichtig.
Was machte ein Arzt in jener Zeit? Er heilt und lindert. Er hört zu und lässt zur Ader, wenn das Blut „zu hoch im Drucke“ ist. Er verwendet ein Klistier (Einlauf), wenn der Ranzen spannt vom vielen Essen und die Gedärme sich blähen. Er sieht tief in die Augen des Kranken und liest aus ihnen. „Nein, dies ist keine Hexerei“. In den Augen der Menschen kann man lesen. Schröpfen wird angewandt, dadurch werden schlechte Säfte aus dem Körper gezogen. Für die Wunden gibt es Salben, Umschläge und Tinkturen aus Pflanzen und Kräutern. Bei bösen Leiden die Blutswurz. Sie hilft gegen schlechtes Blut. Als Schnaps genossen, hilft sie vielfach. Manch Kranker erhöhte die Dosis, um kurzfristige Linderung zu erfahren. War dann der Schmerz im Ranzen vorbei, rumorte er dafür im Kopf.
Ackerbau, Holzwirtschaft und Glasherstellung
Vor dem Museum in der Pfarrstraße etwas Heimatgeschichte: Die alte Schule war schon 1805 erbaut worden. „Es ist eine große Aufgabe, den Menschen Bildung zu bringen. Bildung und Gesundheit.“ Irgendwann war die Schule zu klein. Die Neue Schule entstand 1922 in der Helmut-Glock-Straße, die früher Schulhaus-Straße oder Schulstraße hieß.
Der Mensch lebte seinerzeit vom Ackerbau und von der Holzwirtschaft. Für die Glasherstellung wurde viel Holz benötigt, außerdem Pottasche, die aus der Verbrennung des Holzes gewonnen wurde. Den Rohstoff Quarz lieferte der Stubensandstein, der im Schwäbisch-Fränkischen Wald vorkommt. Die Natur bot also alles, was man benötigte, um ein gutes Glas zu erzeugen und aus dem gar mancher Schoppen getrunken wurde. Der Römer, das war das Trinkglasprodukt aus dem Welzheimer Wald.
Frisch verheiratet mit seinem „Rickele“ wohnte Justinus Kerner im Schwarzen Ochsen. Das Gebäude gibt es heute nicht mehr. Mit dem Wirt gab es einen Vertrag: Das Schlafzimmer musste das Ehepaar an Markttagen, zu Hochzeitsfesten und anderen Veranstaltungen, an denen getanzt wurde, räumen und der Wirtschaft zur Verfügung stellen. „Es hat unserer Liebe keinen Abbruch getan.“
Weil ein herrliches Herbstwetter war, konnte die Sommertour in gemütlicher Runde im Hof des Heimatmuseums zu Ende gehen. Dazu gab es ein Viertele Kerner-Wein und man konnte das Erlebte noch etwas nachklingen lassen.


Kommentare

noch keine Kommentare vorhanden!