Waiblinger Kreiszeitung - Dienstag, 14. Juli 2009
Die Liebe von Gretle und Frieder
Kultissima lässt in Strümpfelbach Geschichte lebendig werden - durch Schauspieler
Weinstadt-Strümpfelbach. Fußmärsche, zähe Vorträge oder so viele Teilnehmer, dass man nichts sieht und hört? Fehlanzeige bei "Kultissima". Historische Fakten werden von Schauspielern zum Leben erweckt - am Wochenende die Liebesgeschichte vom Gretle und ihrem Frieder.
Von Marie Hettich.
Heike Marx, Leiterin der Agentur "Kultissima", steht vor der Gemeindehalle in Strümpfelbach und wartet auf die letzten Teilnehmer. "Des Sommers warmer Hauch kann diese Knospe der Liebe wohl zur schönen Blum' entfalten", beginnt sie ein paar Minuten später und begrüßt die rund dreißig Zuhörer zur "StadtVerFührung". "Nichts ist schöner, als die Liebe zu beschreiben", schwärmt sie und verteilt Windlichter an "zwei starke Männer".
Direkt unter den Weinbergen dann der erste Stopp: Heike Marx erzählt von der Geschichte Strümpfelbachs, vom "schwierigen Nachbarn Esslingen" im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert. Reiter und Landknechte kamen immer wieder aus Esslingen nach Strümpfelbach, brannten Häuser ab, vernichteten die Weinberge und somit die Ernte. Angeblich sind viele der alten Fachwerkhäuser in Strümpfelbach Reparationszahlungen der Esslinger. "Aus allem, was man sich nicht so richtig erklären kann, machen die Menschen gerne ihre Sagen", so Heike Marx. Und weiter geht´s, vorbei am Friedhof. Nun erzählt Heike Marx von der Pest, der fast die Hälfte der Strümpfelbacher zum Opfer fielen. Vor dem Nuss-Museum spricht Heike Marx die Auswanderungswelle in Strümpfelbach im 18. Jahrhundert an. "Carl Eugen regierte ganz und gar nicht zum Wohl seiner Untertanen", erklärt sie. Armut trieb viele Strümpfelbacher aus der Heimat.
Frieder: "Da hinde isch se!"
"Grüß Gott, i ben dr Frieder aus Schnait. I will mai Gretle seha, deshalb ben i do", ertönt es aus einer Gasse. Dann steht er da, mitten in der Gruppe: Frieder, mit Wanderstock, Schiebermütze und Hosenträgern. "I ben so verliebt, i musst' aufheera zum Schaffa, ko nur noch ans Gretle denka", fährt er fort. Heike Marx steht etwas abseits und beobachtet, was passiert. "Do hinde isch se!", brüllt Frieder plötzlich und rennt die Straße entlang direkt in Gretles Arme. Dann sind die beiden weg. Heike Marx fordert auf weiterzugehen. "Obwohl der Anbau von Wein so viel Arbeit macht und jedes aufs Neue ein großes Risiko ist, ist er seit eh und je der ganze Stolz der Strümpfelbacher", erzählt sie vor dem Gasthaus "Zum Gretle", das nach dieser Liebesgeschichte benannt wurde. Und plötzlich stehen sie wieder da: Frieder und Gretle, wild gestikulierend und sichtbar aufgebracht. "Du hasch sooo wenig Zeit", kritisiert Frieder. "I muss halt schaffa, aber des hod nix mit onserer Liebe zum do", erwidert Gretle.
Als sie die Feier im Gasthaus "Zum Hirschen" erwähnt, flippt Frieder aus. "Dann musch wieder mit denne scheiß Offiziersleut danza." Doch Gretle ist von nichts abzubringen. Die Geschichte nimmt ihren Lauf: Frieder rennt "Zum Hirschen", wo er sein Gretle in den Armen eines betrunkenen Offiziers entdeckt. Das erträgt Frieder nicht - und schlägt zu. Der Offizier landet schwer verletzt am Boden. "Du wirsch eig`sperrt, Frieder! Bitte geh und lass die von niemand finda", fleht Gretle.
Die nächste Szene findet ein paar Meter weiter und einige Zeit später statt. Frieder wollte auswandern, hatte aber solche Sehnsucht, dass er zurückkehrt - und Gretle beim Offizier fand. Die pflegte den Verletzten, bis er ihr seine Liebe gestand und sie nicht "Nein" sagen konnte. "Durch den Schlag han i sie direkt in seine Ärm trieba", erkennt Frieder. Im Hof des Weinguts Kuhnle endet die tragische Geschichte vom Gretle und ihrem Frieder - vermeintlich.
Denn eigentlich fängt sie erst so richtig an. Als Frieder nach acht Jahren aus dem Kerker entlassen wird, wartet das Gretle schon auf ihn und schwört ihm die ewige Liebe. Mit Wein wird die Hochzeit der beiden gefeiert - und die Teilnehmer der "StadtVerFührung" dürfen Gäste spielen.




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