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Schorndorfer Nachrichten - Mittwoch, 25. März 2009

Das Waschweib und die Daimlerin
Heike Marx von "Kultissima" als "StadtVerFührerin", wie sie sich selbst bezeichnete

Drei Monate sind im Daimler-Jahr, das seinen Namen vom 175. Geburtstag des bekanntesten Schorndorfers hat, vergangen. Es könnte sich die Frage stellen, ob das Thema Daimler bereits ausgelutscht ist - Daimler-Ausstellung(en) hier, Daimler-Briefmarke dort. Ist es nicht, zumindest bis jetzt nicht. Heike Marx von "Kultissima" beispielsweise hat eine Nische besetzt. Mit ihrer "StadtVerFührung" zum Thema Daimler.

Von Michael Städele.

Knapp 20 Interessierte haben sich an diesem für den März doch recht kalten Abend vor dem Rathaus auf dem Marktplatz zusammengefunden, um zusammen mit ihrer "StadtVerFührerin" (so nennt sich Heike Marx selbst) rund anderthalb Stunden auf den Spuren von Gottlieb Daimler zu wandeln. Sie erfahren nicht grundlegend Neues über den Erfinder, aber sehr viele interessante Details. Und sie hören manches Schmankerl.

Dafür zeichnet neben Heike Marx in erster Linie das Waschweib Marie verantwortlich, auch "Schorndorfer Tagblatt" genannt. Dieser Beiname sagt eigentlich alles. Marie weiß, was im Städtle los ist. Dass sie es dabei mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt, ist eine andere Geschichte.

Erstmals tritt das Waschweib - wie könnte es anders sein - am Brunnen auf

Marie tritt - wie könnte es anders sein - erstmals am Brunnen hinter dem Stadtmauerrest auf. Zuvor auf dem Oberen Marktplatz haben auch Leute, die bisher glaubten, sich in Schorndorf gut auszukennen gestaunt. Heike Marx wies nämlich ausdrücklich auf das Gebäude Oberer Marktplatz 6 (heute Commerzbank) hin. Dort befand sich zu Daimlers Zeit die sogenannte "Bäckerlaube". Die 26 (!) Bäcker, die es damals in Schorndorf gab, brachten ihre Waren in dieses Haus. Und versuchten (ganz sicher war der Bäckersohn Gottlieb Daimler auch dabei), sie von dort aus an den Mann und die Frau zu bringen.

Eher wohl an die Frau, schenkt man dem Waschweib Glauben. Es beklagt sich nämlich sowohl am Brunnen als auch auf den weiteren Stationen immer wieder, wie schwer es das schwache Geschlecht in jenen Jahren hatte. Weit schwerer als heute natürlich. In der Tat: Beispielsweise mussten die Frauen mehrmals täglich zum Brunnen gehen und Wasser holen. Fließendes gab es in den eigenen vier Wänden nämlich nicht.
Aus diesem Grund spielte ein anderes Gebäude in der Schorndorfer Innenstadt zu Daimlers Zeiten ebenfalls eine große Rolle: Das Stadtbad in der Höllgasse 22 (schräg gegenüber von der Bäckerei Hetzinger). Hier dürfte auch Gottlieb Daimler in der Wanne gesessen sein. Und seine (erste) Ehefrau Emma Pauline, eine Apothekerstochter aus Maulbronn, auch.

Sie tritt bei der Marx´schen "StadtVerFührung" gleichfalls auf, schildert ihren Mann als guten Vater (der fünf Kinder). Das Waschweib Marie freilich frotzelt: "Der isch doch nie d´rhoim, i woiß gar net, wo die Kender herkommet." Und fügt schnippisch hinzu: "Mei Ma isch jeden Tag d´rhoim."
Heike Marx schließt ihre Tour vor dem Daimler-Geburtshaus mit der Episode, als der Erfinder in Bad Cannstatt der Falschmünzerei verdächtigt wurde. Zu Unrecht, wie sich herausstellte. Sowohl der Denunziant (es war der Gärtner) als auch die Polizei blamierte sich bis auf die Knochen. Gottlieb Daimler war zwar ein Tüftler und Erfinder, ein Falschmünzer war er aber nicht. Und ein guter Unternehmer laut Marx auch nicht. Leider.

Der Spruch:

"Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und dir vertraut ist."
Das Waschweib Marie offenbarte den Teilnehmern der etwas anderen Stadtführung den Konfirmationsspruch von Gottlieb Daimler.


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