Rems-Zeitung - Samstag, 04. April 2009
Neu in Gmünd: Stadtführungen mit verlebendigter Geschichte
Auf Rundgang mit der Ringlegende
Schwäbisch Gmünd (rw). "Authentisch und korrekt", "qualitativ hochwertig und sehr gut recherchiert" soll es zugehen, wenn der weise "Gamundias" und die hohe Frau Agnes von Hohenstaufen die Besucher ins Schlepptau nehmen zu einer Art von Stadtführung, die in Schwäbisch Gmünd neu ist. Aber sie hat wohl großes Potenzial. Darauf setzt Heike Marx, die ihr Konzept gestern vorstellte.
Bei der städtischen Touristik- und Marketinggesellschaft rennt sie damit offene Türen ein. Die "StadtVerFührungen" - man kommt nicht mehr ohne Binnengroßschreibung aus - spielen rund um die Ringlegende. Heike Marx, früher Geschäftsführerin des Tourismusvereins Remstal-Route, jetzt selbstständige Inhaberin der Agentur "Kultissima", möchte die Sage um die Stadtgründung zum Leben erwecken und historisch an Ort und Stelle erden, "modern und erlebnisorientiert."
Sie besuchte die Ringlegende-Aufführung des Stadtverbandes Musik und Gesang, gelangte von dort zum musikalischen Leiter des Liederkranz Weiler, Stephan Kirchenbauer, ferner zu T&M-Geschäftsführer Manfred Maile und dem "Pro Gmünd"-Vorsitzenden Thomas Steeb.
Ihr Vorhaben, die Stauferstadt auf einem 90-minütigen Spaziergang zu inszenieren, sieht so aus: Eine Gruppe mit bis zu 25 Teilnehmern setzt sich am i-Punkt beim Spital in Bewegung, wandelt über den Marktplatz zum Rathaus, zum Münster, um dieses herum zurück zu Prediger und Johanniskirche. Zwei Darsteller stoßen dazu: Sie mimen die Agnes von Hohenstaufen und eine fiktive Chronisten-Gestalt, den "Gamundias". Die Schauspieler - es handelt sich um von Heike Marx gecoachte Laien - hüllen sich in zeitgenössische Kostümierung und führen eine altertümelnde Sprache. "Es sind nicht die Jahreszahlen und historischen Fakten, die den Besuchern einer Führung im Gedächtnis bleiben, sondern die Menschen, deren Schicksale und Glück", meint Heike Marx.
Der Liederkranz Weiler stellt die Kostüme aus seinem großen Fundus, sagt Stephan Kirchenbauer, und auch die Darsteller stammen vom Liederkranz. Doch es sei wichtig, über den Weilermer Verein hinauszugehen - schließlich muss Heike Marx die Rollen mehrfach besetzen und braucht einen "Pool" von Darstellern. Man könne die Führung zudem "modulartig" erweitern und einen Mönchschor auftreten lassen. Auch andere Epochen könnten abgedeckt werden, Heike Marx denkt an die Rokoko-Zeit und ans Biedermeier, an den Geiger von Gmünd und an den Salvator.
"Es ist eine andere Art der Stadtführung", lobt Thomas Steeb, "eine weitere Attraktion, Leute ins Städtle und auch in die Johanniskirche zu bringen." Eine sinnvolle und schöne Ergänzung der bisherigen 500 klassischen Gästeführungen pro Jahr sei es, konstatiert Manfred Maile.




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