Rems-Murr aktiv - Sonderbeilage Waiblinger Kreiszeitung
Wunderbare, witzige und wahre Geschichten aus der Heimat
Heike Marx ist dabei, sich mit ihrer Veranstaltungsagentur „Kultissima“ einen Namen zu machen
Vom Schaffa schwätzt sie viel, die Marie, vom Wäscha, Wasser hola ond Kender uffziega. Aber nebenher zerreißt sie sich das Maul über die „Daimlere“ mit ihrem seltsamen Erfindergatten. Szene einer „StadtVerFührung“, wie sie seit kurzem von der Schorndorfer Agentur Kultissima angeboten werden. Und Heike Marx hat noch viel mehr vor.
Von Andreas Krohberger.
Die ehemalige Geschäftsführerin des Tourismusvereins Remstal-Route hat sich zu Jahresbeginn mit der „Kultur- und Veranstaltungsagentur in der Mühle“ selbstständig gemacht. Als „Reigschmeckte“, meint sie, habe sie einen unverstellteren Blick auf die Schönheiten des Remstales als die Einheimischen. Und tatsächlich kommen ihre „StadtVerFührungen“ so frisch und frech daher, dass auch chronisch mürrischen Zeitgenossen ein Lächeln auf die Lippen rutscht. So lässt sie Schauspieler in die Rollen der Emma Pauline Daimler und des Waschweibs Marie schlüpfen und die Geschichte des „Eigenbrötlers und Visionärs“ Gottlieb Daimler in den kopfsteingepflasterten Gassen Schorndorfs auf köstliche Weise lebendig werden. In 90 Minuten erfahren wir Dinge, die wir auch als Hiesige nicht wussten, und fühlen uns von den beiden durchaus ansprechenden Damen im historischen Zwirn und mit breiter Mundart ins frühe 19. Jahrhundert zurückversetzt. Das Ganze ist professionell geschrieben und choreografiert, historisch korrekt, unterhaltsam und charmant präsentiert.
Die Gmünder Ringlegende und „‘s Gretle von Strümpfelbach“
In den Schwäbisch Gmünder Gassen und in der Johanniskirche inszeniert Heike Marx das „Geheimnis der Ringlegende“, eine hintergründige Erzählung über die Stadtgründung, bei der man der ehrfürchtigen Herzogin Agnes ebenso persönlich begegnet wie dem weisen Chronisten Gamundias. Es geht um eine Heirat im Alter von sieben Jahren, um Gottesfurcht und Ränkespiele. Und ganz nebenbei erfährt man Erstaunliches über die alte Silberstadt. Ganz neu im Programm ist das Gretle von Strümpfelbach, eine wild-romantische Liebesgeschichte, bei der sich Legende und Wahrheit bunt vermischen. Anno Domini 1909 feiern die Wengerter ihren Herbst mit Gesang und Tanz, unter ihnen auch einige Offiziere aus der nahen Landeshauptstadt. Ein Unteroffizier fordert das hübsche Gretle zum Tanz auf und schon entwickelt sich eine Geschichte voller Liebe und Eifersucht, in der auch mit deftigen Worten und heftigen Schlägen nicht gespart wird. An Wissen und Freude um einiges reicher, finden sich die Gäste schließlich beim Weingut Kuhle ein, wo die Schauspiel-Führung bei einem Viertele Remstäler ausklingt. „Es gibt so wunderbare Geschichten hier im Remstal“, schwärmt Heike Marx. Bei ihren Recherchen hat sie allerlei Geheimnisse und manches Überraschende ausgegraben, Geschichten, für die die historischen Innenstädte vieler Städte und Gemeinden im Remstal eine ideale Kulisse bilden. Bis zu zwanzig solcher Führungen will sie in einigen Jahren anbieten können, noch dieses Jahr sollen Waiblingen und Kernen-Stetten hinzukommen. „Mein Ziel ist es, das gesamte Remstal abzudecken.“ Mit großer Freude erschließt sich die einst aus der Eifel zugereiste Touristikerin neue Bereiche wie Theaterpädagogik, Stücke schreiben, Kostüme besorgen, Orte auskundschaften und Fakten überprüfen. „Ich kann mich dabei in nie gekanntem Maße kreativ ausleben“, begeistert sie sich für ihren neuen Weg.
Ihren Sitz hat die Agentur Kultissima in der alten Getreidemühle in Schorndorf-Schornbach - selbst einem historischen Gemäuer. Der Pfarrer und Dichter Friedrich Glück („In einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad ...“) wohnte vor fast 200 Jahren gleich nebenan. Im Mühlbach baden die Enten, Ziegen grasen und auf dem Wiesle gegenüber schreit ein Esel. In dem verwinkelten Bau hat Heike Marx Wohnung und Büro, ein Ort, an dem ihr gute Einfälle zufliegen. Hier feilt sie in jeder freien Stunde an dem eigentlichen Ziel ihrer Agentur, von dem die StadtVerFührungen nur ein Teil sein sollen. Denn was dem Remstal fehlt, das sind buchbare Angebote, hat Heike Marx während ihrer Zeit bei der Remstal-Route festgestellt. Gruppen, die das Besondere suchen, gibt es reichlich. Doch individuell zugeschnittene Pakete gab es und gibt es kaum. Mancher Firmenchef im Remstal würde seinen Geschäftspartnern gerne so ein Päckle anbieten, beispielsweise einen ansprechenden Tagungsort mit anschließendem Kulturprogramm, Essen oder Weinprobe. Oder einen Besuch im Daimlermuseum, eine Verkostung von Remstalweinen und gemütliches Beisammensein am urigen Grill. Angebote, die sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzen und fest buchen lassen.
Kultissima will Pakete schnüren
„Ich komme vom Tourismus“, erklärt Heike Marx, „ich habe beste Kontakte zu Gastronomie und Weingütern. Ich kann Veranstaltungen anbieten, die genau auf den Anlass abgestimmt sind!“ In Kürze steht ihr in der Mühle ein Tagungsraum für bis zu 40 Personen zur Verfügung.
Dort oder beim Winzer selbst kann sie Weinproben von Fachpersonal an-bieten, hat einen urigen überdachten Grill- und Festplatz, kombiniert das mit einem guten Essen in einem gehobenen Restaurant, einer ihrer „Stadt-VerFührungen“ und organisiert die Übernachtung für die Gäste. „Ich sehe hier ein großes Potenzial“, versichert sie, „eine Nische, die weder von den Gemeinden noch von der Remstal-Route gefüllt werden kann!“ Als Full-Service-Agentur will sie maßgeschneiderte Rahmenprogramme anbieten.
Dabei richtet sich Kultissima nicht nur an Firmen in und außerhalb der Region, sondern auch an Privatbürger, die sich einen ungewöhnlichen Rahmen für ihre Hochzeit, ihren Geburtstag oder einen Ausflug im Freundeskreis wünschen.
Den Gästen die schwäbische Lebensart näher bringen
Und weil Heike Marx inzwischen die Schwaben und ihren spröden Charme kennen und lieben gelernt hat, versteht sie sich auch als Botschafterin schwäbischer Lebensart. Allerdings: Bis heute kann sie zwar vieles, aber noch kein Schwäbisch!
(Herausgabe: 25. Juni 2009)




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