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Gmünder Tagespost - Montag, 20. April 2009

Warum es Gmünd so überhaupt gibt
Das Geheimnis der Ringlegende als Schauspiel-Führung

Aus einer Geschichte wird eine andere Geschichte, wird irgendwann eine Legende. Auch wenn der Wahrheitsgehalt nicht zu prüfen ist: Die Gmünder Ringlegende ist doch bei weitem schöner und romantischer als Jahreszahlen und Fakten. Kein Wunder also, dass am Samstagabend die Teilnehmer der etwas anderen Stadtführung gebannt den Erzählungen der Agnes von Waiblingen und des Chronisten Gamundias lauschten.

Von Anne Schührer.

Stadtführerin Heike Marx (links) und Stadtchronist Gamundias führten den Teilnehmern der Führung vor Augen, wie Gmünd im Mittelalter wohl war. (Foto: Tom)

Schwäbisch Gmünd. Ein Stoff, aus dem Hollywood seine Geschichten beziehen könnte. Zugetragen in Schwäbisch Gmünd: Mit sieben Jahren wurde die Kaisertochter Agnes von Waiblingen im frühen Mittelalter mit Friedrich I. verheiratet. Die gottesfürchtige Agnes, gespielt von Melanie Pröhl aus Gmünd, fügte sich ihrem Schicksal und gebar ihm später elf Kinder. Beim Ritt durch die Remsauen verlor sie ihren Ehering. Dies kam einem Ehebruch gleich. Agnes kam in Kerkerhaft und schwor, eine Kirche an der Stelle zu bauen, an der der Ring gefunden wird. Ein Hirsch förderte ihn wieder zutage, und die Johanniskirche wurde gebaut. Ohne diese Kirche würde es Gmünd so nicht geben, ist sich Stadtführerin Heike Marx sicher. Sie entwickelte die neu angebotene Führung zur Ringlegende im Rahmen der „StadtVerFührungen“ ihrer Agentur Kultissima. Bis zum Höhepunkt in der Johanniskirche mit Schauspiel und historischen Gewändern mussten sich die rund 20 Teilnehmer der Führung allerdings etwas gedulden. Ausgerüstet mit zwei Nachtwächterlampen ging es zunächst durch die dunkler werdenden Gassen und Plätze. Immer auf der Spurensuche des mittelalterlichen Gmünds. Vom Spital während der großen Pestepidemie, als das Pestwasser in die Rems geschüttet wurde, damit die „Ungläubigen“ in Schorndorf auch etwas davon haben. Weiter über den Marktplatz zum Münster und zum ehemaligen Augustinerkloster. Immer wieder will der weise Chronist der Stadt, Gamundias, alias Andreas Keck aus Stuttgart in rotem Samtumhang gehüllt, von „seiner“ Geschichte, der Ringlegende berichten. Und wird doch immer wieder von der Stadtführerin auf später vertröstet. Schade, dass er recht wenig zu Wort kam. Sind es doch eher die Geschichten und Anekdoten, die in Erinnerung bleiben. Wie vom Saufgelage im ehemaligen Dominikanerkloster, dem Prediger, in dem „35 Hektoliter besten Weines“ geflossen sein sollen. Oder von den Reiterspielen im Turniergraben, die „selten ohne Verwundete oder Verletzte“ ausgingen. Informationen gab es von Heike Marx auch allgemein über das Leben im Mittelalter, über die Rolle der Frau, die wirtschaftliche Situation. Eine Mischung aus Informationen zur Historie und Schauspiel. Die Veranstalterin ist mit der Resonanz sehr zufrieden. Die Führung zur Ringlegende war ihre erste in Schwäbisch Gmünd. Sie kooperiert dabei mit dem Liederkranz aus Weiler i.d.B. Die Schauspieler sind zum Teil Mitglied im Liederkranz, auch ein Teil der Kostüme stammt von dort.


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